Die Geschichte des Marathon-BlitzschachsChronik der 80’er Jahrevon Manfred Kalmutzki, Ehrenpräsident des Dresdner Schachbundes e. V. |
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die Marathonturniere zunächst in völliger Eigenregie von Mikroelektronik organisiert und durchgeführt wurden.
„Zur Weltpremiere im Februar 1985 starteten einschließlich des Initiators und Turnierleiters Rüdiger Schüttig 49 Aktive, unter ihnen Zsuzsa, Zsofia und Judit Polgar. Zsuzsa, die älteste der drei symphatischen Polgar-Schwestern, gewann dieses Turnier mit klarem Vorsprung.“ (1)
Hier die weitere Platzierung, die von Turnierleiter Rüdiger Schüttig in der Zeitschrift „Schach“ veröffentlicht wurde.|
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Am 15./16. Februar 1986 folgten der Einladung 83 Akteure. Und abermals distanzierte die talentierte Zsuzsa Polgar in dem 24-Stunden-Marathon das gesamte Teilnehmerfeld. Während sie im Vorjahr 7 Punkte Vorsprung hatte, waren es in diesem Jahr sogar 9 Punkte. Was ist denn das Besondere an diesem Turnier?
Und die steigenden Teilnehmerzahlen beweisen es. Und nach 49 im Jahre 1985, 83 im Jahre 1986 hatte Rüdiger Schüttig für 1987 schon mit 101 Marathonblitzern geplant (siehe nebenstehenden Artikel). Es wurden dann aber sogar 111 ! Aber so perfekt und professionell die Veranstaltung von der Anmeldung bis zur letzten Partie über 24 Stunden ablief, so tauchte am Schluss ein Problem auf, mit dem man absolut nicht gerechnet hatte. Da hatte sich doch wirklich eine Mannschaft in das Turnier „geschmuggelt“, die nach den Bestimmungen des DTSB da gar nichts zu suchen hatte. Da konnten sich Vereine, Städte, aber auch 4 Spieler zu Mannschaften mit Phantasienamen, z. B. „Tote Hosen“ zusammentun. Und da passierte es, dass plötzlich eine Mannschaft mit dem Namen „Untere Elbe“ mitspielte. Dresden und Hamburg waren doch noch gar keine Partnerstädte. Natürlich gab es Ärger, dass dem Veranstalter so etwas passierte und schließlich war es für Rüdiger Schüttig nun wohl der letzte Grund, um nach Westberlin auszusiedeln. |
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So lautete dann die offizielle Pressemeldung (ein Glück, dass sich die „Untere Elbe“ nicht unter den Erstplatzierten befand). Um den Gedanken des MARATHON-Blitzschachs in Dresden aber nicht untergehen zu lassen, übernahm nun der Stadtfachausschuss gemeinsam mit Mikro Dresden dieses Turnier. Mit der Leitung wurde Hans-Wolfgang Walther beauftragt, der auch gleich eine gute Idee hatte. Auf Anregung des neuen Turnierleiters wurden nämlich für 1988 neben Leistungsträgern erstmals alle Interessenten der unteren Klassen und Nichtorganisierte zur Teilnahme zugelassen. Und man kann heute einschätzen, dass dadurch der Durchbruch zur höchsten Popularität für diese Turnierform erreicht wurde. Damit wurde das Turnier offen für alle (vom Großmeister bis zum Schachspieler ohne Wertzahl), wodurch die Teilnehmerzahl beträchtlich stieg. |
Die Teilnehmerzahl von 203 Schachfreunden aus 101 Sektionen beweist das sehr eindeutig.

Die weiteren 5 Dresdner Vertretungen landeten
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Mikro Dresden II |
mit 275,5 Punkten |
auf Platz 13 |
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Post Dresden |
mit 269 Punkten |
auf Platz 15 |
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Lok Dresden |
mit 261,5 Punkten |
auf Platz 17 |
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Pentacon Dresden |
mit 218,5 Punkten |
auf Platz 26 |
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Mikro III |
Mit 206,5 Punkten |
auf Platz 31 |
(siehe auch die nachfolgende Pressenotiz)
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Der Vorsitzende des Hamburger Schachclubs 1830, Christian Zickelbein (Mitte), ist als Ehrengast Gesprächspartner von Dr. Michael Schmidt (rechts), der drei Monate später zum Präsidenten des DSV der DDR gewählt wurde und Dr. Dirk Jordan (später Vorsitzender des Dresdner Schachfestival) |
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Der Begründer der Dresdner Marathon-Blitzschachturniere, der Großröhrsdorfer Rüdiger Schüttig (Westberlin) freut sich darüber, dass seine damaligen Schachfreunde seine Idee weitergeführt haben. |
Ein besonderes Dankeschön ging an den Oberbürgermeister der Stadt Dresden, Wolfgang Berghofer, der die Schirmherrschaft für dieses Turnier übernommen hat und dessen Grußworte die Stadträtin, Frau Dr. Heike Vogler, überbrachte.
Für dieses VI. Marathonturnier im Jahre 1990 nahmen sich die Organisatorenvor, einen Guinness-Rekord aufzustellen.
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Dr. Karl-Heinz Stegemann, Sektionsleiter der BSG Mikroelektronik, Leiter für Organisation (links), Johannes Hiebel, Technischer Leiter (Mitte) und Jürgen Clemens, Bediener des Computerprogramms (links) sorgen für einen perfekten Ablauf bei den 15711 Partien während des 24-Stunden-Marathons |
Und das Vorhaben gelang!
Mehr als 300 Blitzer spielten in 24 Stunden je 100 Blitzpartien!
Mit den nachfolgenden Fotos werden einige Eindrücke vom Turnier in den Ausstellungshallen am Fucikplatz vermittelt:
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Das Medieninteresse war sehr groß. Heinz Ruhnau gab folgende Einschätzung:
„Blitze zündeten 24 Stunden lang"
Von besonderer Bedeutung war auch, inwieweit man bis zum Ende durchhielt.
Nach den 5 Vorrundengruppenspielen jedes Aktiven zu je 15 Partien gab es folgende
Reihenfolge:
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1. |
Robert Rabiega |
Westberlin |
72,5 Punkte |
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2. |
Aleksander Ryskin |
Minsk |
71,0 Punkte |
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3. |
Johannes Hiebel |
Mikro Dresden |
69,5 Punkte |
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4. |
Harald Darius |
Ströbeck |
69,0 Punkte |
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5. |
Rüdiger Schüttig |
Westberlin |
69,0 Punkte |
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6. |
Alexander Goldberg |
Post Dresden |
68,5 Punkte |
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7. |
Th. Reich |
Bayern München |
68,5 Punkte |
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8. |
I. Durnojanow |
Nikolaew |
68,0 Punkte |
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9. |
Thomas Casper |
BK Leipzig |
67,5 Punkte |
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10. |
Rachmangulow |
Nikolaew |
66,5 Punkte |
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11. |
Jar. Kalivoda |
Prag |
66,5 Punkte |
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12. |
W. Schubak |
Nikolaew |
66,0 Punkte |
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13. |
Karsten Schulz |
Fortschritt Cottbus |
65,5 Punkte |
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14. |
H.J. Meißner |
Empor HO Berlin |
65,0 Punkte |
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15. |
Günther Beikert |
Viernheim |
64,5 Punkte |
In der Finalrunde traten nun aber noch mal die bis dahin vorn liegenden Spieler an, um die restlichen 31 Partien zu absolvieren. Da stellte sich die Tabelle beinahe auf den Kopf, denn den längsten Atem hatte Günther Beikert aus Viernheim bei Mannheim, der sich mit 23,5 Punkten den 1. Platz sicherte. Einen großen Sprung vom 10. auf den Silberrang (23 Punkte) machte Rachmangulow (SU Nikolaew). Robert Rabiega rettete sich wenigstens mit 20 Punkten auf den 3. Platz. Harald Darius (Ströbeck) konnte seinen 4. Platz aus dem Vorkampf bestätigen und die Lokalmatadoren Alexander Goldberg (Post Dresden) und Johannes Hiebel (Mikro Dresden), der noch nebenbei viel zu organisieren hatte, landeten auf den Plätzen 5 und 6. Der im Vorkampf noch auf Platz 2 liegende Aleksander Ryskin (Minsk) rutschte noch auf den 12. Rang und Marathonerfinder Rüdiger Schüttig (Westberlin) sogar auf Platz 23.

Günther Beikert (Viernheim)
ist der Sieger
des Marathon-Blitzschachturniers 1990 (Foto Renate Ruhnau)
Die Reihenfolge der Spitzengruppe:
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1. |
Günther Beikert |
Viernheim |
23,5 Punkte |
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2. |
Rachmangulow |
Nikolaew |
23,0 Punkte |
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3. |
Robert Rabiega |
Westberlin |
20,0 Punkte |
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4. |
Harald Darius |
Ströbeck |
20,0 Punkte |
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5. |
Alexander Goldberg |
Post Dresden |
19,5 Punkte |
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6 |
Johannes Hiebel |
Mikro Dresden |
19,0 Punkte |
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7 |
Manfred Herich |
Bayern München |
19,0 Punkte |
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8 |
I. Durnojanow |
SU Nikolaew |
18,5 Punkte |
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9 |
Thomas Casper |
BK Leipzig |
18,5 Punkte |
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10. |
W. Schubak |
SU Nikolaew |
18,0 Punkte |
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11. |
Karsten Schulz |
Fortschritt Cottbus |
18,0 Punkte |
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12. |
Aleksander Ryskin |
SU Minsk |
17,5 Punkte |
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13. |
Jar. Kalivoda |
CSSR Prag |
17,0 Punkte |
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14. |
Rudolf Bräuning |
SV Tübingen |
16,5 Punkte |
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15. |
Torsten Sarbok |
Aktivist Senftenberg |
16,0 Punkte |
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16. |
Eduard Rayski |
SU Minsk |
16,0 Punkte |
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17. |
Günter Weidlich |
Mikro Dresden |
16,0 Punkte |
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18. |
M. Klostermann |
Bremen |
16,0 Punkte |
80 Sportfreunde und 7 Mannschaften erhielten einen Preis.
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In der Mannschaftswertung gewann überlegen das Team Westberlin in der Besetzung Rüdiger Schüttig, Robert Rabiega, St. Löffler und J. Urban, vor einem Team, das sich bezeichnenderweise „Die toten Hosen“ nannte und zu dem die Cottbusser Christian Troyke und Karsten Schulz, R. Brömel und der Ströbecker Harald Darius gehörten, der SU-Mannschaft Nikolajew mit Rachmangulow, Durnojanow, Shmirin und Schubak sowie dem Gastgeber Mikroelektronik Dresden in der Besetzung Hiebel, Weidlich, Franz und Böhm. Es folgten Bk Leipzig, Aktivist Senftenberg, KA Lichtenberg, Dinamo (2x Minsk + 2x Merseburg), Bayern München, Empor HO Berlin, WBK Halle-Neustadt, Randspringer Erfurt, Lokomotive Dresden und weiteren 26 Teams.

Beste weibliche Teilnehmerin
wurde Britta Schumacher (Traktor Dresden)

Der 7-jährige Ettienne Bacrot aus Albert (Frankreich) war nicht zu bremsen.
Der gerade erst 7 Jahre alt gewordene
Etienne Bacrot aus Albert (Frankreich) wurde zum weltjüngsten MARATHON – Blitzschachspezialistenn
denn er unterbot den Dresdner Rekord von Judit Polgar, die 1985 8 Jahre zählte.
Vater Bacrot konnte die geplante nächtliche Schlafpause für seinen Sohn nicht
einhalten, weil Etienne nicht müde war. Selbst in der letzten Runde holte er
noch 16,5 von 27 möglichen Punkten.
So wurde das VI. Marathonturnier zum „Größten Blitzschachturnier der Welt unter den Bedingungen einer 24-stündigen Distanz“ und in das Guinness-Buch der Rekorde 1992 aufgenommen. Schon 1991 erfolgte die Aufnahme in das „Lexikon der Superlative“: 304 Teilnehmer spielten 15711 Blitzschachpartien. Turnierleiter Hans-Wolfgang Walther krönte damit sein Engagement für die Weiterführung des Turniers nach 1987, das natürlich auch ein wenig anstrengend war.

(1) Aufzeichnungen von Hans-Wolfgang Walther, Turnierleiter der Marathonturniere